Mit der Eisenbahn begann für Scherfede ein neues Zeitalter. 1872 erreichte die erste Dampflokomotive den Bahnhof Scherfede, der – trotz seines Namens – auf Rimbecker Gemarkung liegt. Anfang 1873 wurde die Obere Ruhrtalbahn in Richtung Warburg eröffnet. Als 1876 zusätzlich die Strecke Scherfede–Holzminden hinzukam, entwickelte sich Scherfede zu einem bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt.
Zeitweise verkehrten über Scherfede sogar Fernzüge zwischen dem Rheinland und Berlin. Der Bahnhof erhielt ein eigenes Bahnbetriebswerk mit großem Lokschuppen und Werkstätten. Bahn, Betriebswerk und Bahnmeisterei waren wichtige Arbeitgeber für die gesamte Region; nach dem Zweiten Weltkrieg waren hier rund 400 Menschen beschäftigt.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof wegen seiner strategischen Bedeutung mehrfach Ziel von Luftangriffen. Nach 1945 prägten Reisende, Pendler und die sogenannten „Hamsterfahrten“ in die Warburger Börde das Bild.
Mit dem Wandel des Bahnverkehrs verlor der Standort zunehmend an Bedeutung. 1983 wurde das alte Empfangsgebäude abgerissen, 1984 endete der Personenverkehr nach Holzminden. Heute erinnert nur noch wenig daran, dass Scherfede einst ein bedeutender Eisenbahnstandort und für viele Menschen das „Tor zur großen weiten Welt“ war.




