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Legende

Geschichte & Politik (rot)
(Kriege, Herrschaftswechsel, Eingemeindung, Unruhen, Katastrophen)
Kirche & Kloster (grün)
(Kirchenbauten, Klostergründungen und -auflösungen, religiöse Themen)
Gemeinschaft & Infrastruktur (gelb)
(Schule, Vereine, Feuerwehr, Eisenbahn, Versorgung, Kultur, Feste)

Im „Weißen Holz“ bei Rimbeck wurde um 2200 v. Chr. ein großes Steinkistengrab angelegt. Die rechteckige Grabkammer bestand aus mächtigen Steinplatten – wie eine steinerne Kiste –, die über viele Generationen hinweg immer wieder für Bestattungen geöffnet und genutzt wurde.

Archäologen fanden in dem 13,5 Meter langen Grab die Überreste von rund 200 Menschen. Solche Kollektivgräber zeigen, dass das Zusammengehörigkeitsgefühl der Dorfgemeinschaft damals wichtiger war als die einzelne Person. Heute gilt das Steinkistengrab als eines der ältesten Kulturdenkmäler der Region und macht die frühe Siedlungsgeschichte im Diemeltal greifbar.

0001
Germanische Marser im Diemeltal

Um die Zeitenwende lebte im Diemeltal der germanische Stamm der Marser. Sie gehörten zum Verbund der westgermanischen Stämme, die im heutigen Westfalen siedelten.

0009
Schlacht im Teutoburger Wald

Im Jahr 9 n. Chr. erlitten die Römer unter Varus im Teutoburger Wald eine vernichtende Niederlage gegen die Germanen unter Arminius. Die Schlacht gilt als Wendepunkt der römischen Expansion.

Zwar fand das Geschehen nicht direkt in Scherfede statt, doch in den folgenden Jahren stießen römische Rachefeldzüge bis an die Diemel und in den Paderborner Raum vor – damit rückte auch unsere Gegend kurzzeitig ins Zentrum der Weltgeschichte.

0014
Römische Rachefeldzüge

In den Jahren 14 und 15 n. Chr. führten römische Truppen unter Germanicus mehrere Rachefeldzüge tief ins germanische Gebiet. Dabei stießen sie bis an die Diemel und in den Paderborner Raum vor. Damit war auch die Gegend um Scherfede für kurze Zeit Teil der römischen Kriegsschauplätze.

0775
Karl der Große in Scherfede

Im Jahr 775 ließ Karl der Große während seiner Feldzüge gegen die Sachsen in Scherfede einen Wirtschaftshof anlegen. Solche Höfe dienten als Versorgungsstation für das Heer und waren oft Ausgangspunkte für die Christianisierung der Region. Damit reicht der Ursprung des Ortes Scherfede bis in die Zeit der großen Reichsgründungen zurück.

0825
Erste Erwähnung

Scherfede wird erstmals im Güterregister des Klosters Corvey genannt. Der Ort trägt den Namen „Scerua“ und ist damit offiziell dokumentiert. Der erste namentlich bekannte Scherfeder ist ein sächsischer Höriger namens Heio.

1140
Klostergründung Hardehausen

Zisterziensermönche gründen das Kloster Hardehausen. Es prägt über Jahrhunderte das religiöse und wirtschaftliche Leben der Region.

1155
Stiftungsurkunde Hardehausen
Die Stiftungsurkunde ist auf den 5. Mai 1155 datiert. 1155 nicht als eigentliche Klostergründung bezeichnen.
1430
Scherfede wird befestigt

Eine Landwehr schützt den Ort. Gleichzeitig erhält das Kloster Hardehausen die weltliche Gerichtsbarkeit über Scherfede.

1683
Bau der Zehntscheune

Abt Overgaer lässt in Scherfede die Zehntscheune errichten. Bis heute ist sie ein markantes Bauwerk im Dorf.

1728
Neue Postverbindungen

Von Scherfede bestehen erstmals Postverbindungen bis nach Münster und Frankfurt.

1736
Schützenbruderschaft gegründet

Im Jahr 1736 stellt Fürstbischof Clemens August von Paderborn den sogenannten Schützenbrief für Scherfede aus. Mit dieser Urkunde wurde dem Dorf offiziell das Recht verliehen, eine Schützenbruderschaft zu bilden.

Damals hatten Schützengesellschaften nicht nur festliche Aufgaben, sondern auch eine praktische Funktion: Sie sollten im Ernstfall das Dorf schützen, bei Bränden helfen und für Ordnung sorgen. Der Schützenbrief regelte damit sowohl das Führen von Waffen zu Übungszwecken als auch die Organisation von Schützenfesten und Bruderschaftsleben.

Was im 18. Jahrhundert als Teil der Sicherheitsvorsorge begann, entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einer Gemeinschaftstradition. Heute prägt vor allem das Schützenfest das dörfliche Leben – und erinnert daran, dass die Wurzeln des Schützenwesens in Scherfede fast 300 Jahre zurückreichen.

Pockenepidemie fordert viele Opfer

1736 wurde Scherfede von einer schweren Blattern- bzw. Pockenepidemie getroffen. 51 Menschen starben im Dorf – bei damals rund 550 Einwohnern fast jeder Zehnte. Für die Gemeinschaft bedeutete das einen tiefen Einschnitt, denn hinter jeder Zahl stand eine Familie, ein Hof oder ein Handwerk, das plötzlich ohne Stütze war.

Die Pocken waren eine der gefürchtetsten Krankheiten ihrer Zeit. Sie verliefen hochansteckend, hatten eine Sterblichkeitsrate von bis zu 30 % und hinterließen selbst bei Überlebenden oft schwere Narben oder Erblindung. In ganz Europa forderten sie im 18. Jahrhundert jährlich Hunderttausende Opfer.

In Scherfede prägte die Epidemie das Dorfleben nachhaltig. Viele Familien mussten in kurzer Zeit Verluste bewältigen, Kinder wuchsen ohne Eltern auf und Betriebe blieben verwaist. Erst im 20. Jahrhundert gelang es, die Pocken durch Impfprogramme weltweit auszurotten.

1746
Einrichtung einer Posthalterei

1746 wurde in Scherfede eine Posthalterei eingerichtet – eine Wechselstation für Postkutschen. Dort wurden Pferde ausgetauscht und Reisende versorgt. Damit lag Scherfede an einer wichtigen Verkehrsroute und wurde stärker in den regionalen Handel eingebunden.

1756
Beginn des Siebenjährigen Krieges

Von 1756 bis 1763 tobte der Siebenjährige Krieg – ein Konflikt, der Europa, Nordamerika und Indien erfasste und als erster „Weltkrieg“ gilt. In Deutschland standen sich Preußen und Großbritannien auf der einen sowie Frankreich und Österreich auf der anderen Seite gegenüber.

Scherfede lag an wichtigen Heerstraßen und bekam die Truppenbewegungen direkt zu spüren. Immer wieder mussten die Bewohner Soldaten einquartieren und Vorräte abgeben – eine große Belastung, auch wenn das Dorf selbst nicht Schlachtfeld war.

1758
Einquartierungen von Soldaten

1758 und 1759 wurden in Scherfede Soldaten verschiedener verbündeter Armeen – Preußen, Braunschweiger, Hannoveraner und Engländer – einquartiert. Für die Dorfbewohner bedeutete das die Abgabe von Lebensmitteln, Stallungen und Wohnraum an die durchziehenden Truppen.

1760
Schlacht bei Warburg

Nur wenige Kilometer entfernt kam es 1760 zur Schlacht bei Warburg. Französische Truppen unter den Befehlshabern Fischer und Dumuy wurden von Engländern unter Lord Granby und Preußen unter General Spörken besiegt. Auch Scherfede war durch Einquartierungen und die Nähe zum Schlachtfeld spürbar von den Ereignissen betroffen.

1797
Übergabe der Waldungen an Scherfede

Am 21. Februar 1796 schenkte das Kloster Hardehausen der Gemeinde Scherfede rund 2000 Morgen Wald (etwa 500 Hektar). In der Vereinbarung wurde festgehalten, dass dieser Besitz nicht von späteren Staaten wie Preußen als Staatsforst beansprucht werden durfte. Damit erhielt Scherfede eine entscheidende Grundlage für seine Selbstversorgung.

 

Aus den Originalchroniken von Scherfede
„Am 21. Februar 1796 ist der Wald circa 2000 Morgen groß, von dem Kloster Hardehausen an die Gemeinde Scherfede abgegeben.
(Diese Angabe über den Wald soll für alle Zeit festhalten, dass das Kloster und die Gemeinde Scherfede unter einander diese Schenkung vollzogen haben, damit nicht Preußen oder ein anderer Staat diesen Wald als Staatsforst bezeichnen und vereinnahmen kann!)“

1802
Scherfede wird preußisch

Im Zuge der Neuordnung der deutschen Territorien fiel Scherfede 1802 an Preußen. Damit begann eine neue Phase in der Verwaltungs- und Rechtsgeschichte des Dorfes.

1803
Auflösung des Klosters Hardehausen

1803 wurde das Kloster Hardehausen im Zuge der sogenannten Säkularisation aufgelöst. Dabei ging kirchliches Eigentum in staatlichen Besitz über – in diesem Fall übernahm Preußen die Klostergebäude, Ländereien und Wälder. Für Scherfede und die Region bedeutete das das Ende einer jahrhundertelangen klösterlichen Prägung.

1804
Schwere Missernte

1804 erlebte Scherfede eine der schwersten Missernten seiner Geschichte. Mangel an Lebensmitteln führte zu Not und Hunger im Dorf.

1806
Französische Besatzung

1806 marschierten französische Soldaten der Nordarmee Napoleons in Scherfede ein. Sie beschlagnahmten Vorräte, nutzten Häuser und Ställe als Unterkünfte und plünderten das Dorf. Für die Bevölkerung bedeutete das große Verluste und eine Zeit der Unsicherheit.

1807
Scherfede im Königreich Westfalen

1807 wurde Scherfede Teil des neu geschaffenen Königreichs Westfalen, das von Napoleons Bruder Jérôme Bonaparte regiert wurde. Damit galt für einige Jahre französisches Recht, das Verwaltung und Alltag im Dorf veränderte.

1812
Scherfeder im Russlandfeldzug

1812 mussten per Losentscheid 19 Männer aus Scherfede mit Napoleons „Grande Armée“ nach Russland ziehen. Keiner kehrte zurück – bei damals schätzungsweise 800 bis 900 Einwohnern bedeutete das, dass rund 2 % der Bevölkerung in diesem Feldzug ums Leben kamen.

1813
Rückkehr zu Preußen

Nach Napoleons Niederlage bei Leipzig 1813 fiel Scherfede wieder an Preußen. Damit endete die kurze französische Herrschaft im Dorf.

1815
Kosaken nach Waterloo

1815, nach der Schlacht von Waterloo, wurden russische Kosaken auf ihrem Rückmarsch in Scherfede einquartiert. Bei einem Streit erschlug ein Scherfeder Schmied einen Korporal – einen Unteroffizier, der für eine kleine Soldatengruppe verantwortlich war. Das zeigt, wie angespannt das Verhältnis zwischen durchziehenden Truppen und der Dorfbevölkerung war.

Postwärteramt für Scherfede

Im selben Jahr erhielt Scherfede ein Postwärteramt. Der Postwärter war für Briefe, Pakete und Postkutschen zuständig – vergleichbar mit einer frühen Postfiliale. Damit wurde das Dorf stärker in das regionale Postnetz eingebunden und erreichte eine bessere Anbindung an die Verkehrswege.

1823
Bau der neuen Schule

1823 entstand in Scherfede eine neue Schule, das heutige Gebäude der Verwaltungsnebenstelle. Erster Lehrer war Friedrich Böhlen, der hier 51 Jahre lang unterrichtete und dem später die Friedrich-Böhlen-Straße gewidmet wurde.

1846
1.173 Einwohner

1846 lebten in Scherfede 1.173 Menschen. Damit hatte sich die Bevölkerung seit dem frühen 18. Jahrhundert mehr als verdoppelt – ein Hinweis auf das wachsende Dorf.

1848
Revolution erreicht Scherfede

Die Märzrevolution von 1848 führte auch in Scherfede zu Unruhen. Vier Bürger wurden festgenommen und nach Paderborn gebracht, nachdem sie sich an Aufständen beteiligt hatten. Vorsteher Bernhard Laudage wurde beim Versuch, Ordnung herzustellen, mit Steinen beworfen.

 

Aus den Originalchroniken von Scherfede

Der im Jahre 1847 angestellte Förster Thönies blieb.
Die Kornfrüchte standen in diesem Jahre fast durchschnittlich gut, und gaben auch guten Ertrag, weßhalb die Kornpreise bedeutend geringer standen, als im vorigen Jahre. Die Kartoffelkrankheit stellte sich jedoch wieder ein, wenn auch in etwas vermindertem Grade.

In der Mitte des Monat Merz zeigten sich in vielen Orten bedenkliche Unruhen gegen die Regierung; nun zunächst die betreffenden Ortsbehörden. Auch hier erhob sich ein gewaltiger Aufruhr, besonders wurden die Juden stark beunruhigt. Der Vorsteher Laudage wurde mit Steinen geworfen, als er die Ordnung herstellen wollte. Vier Einwohner von hier, welche besonders bei dem Aufruhr tätig gewesen waren, Joseph Paschen, Joseph Maas, Joseph Salmen, der Sohn des Johann Salmen hierselbst, und Johann Proth wurden deshalb durch Militär nach Paderborn gebracht, wo sie selbst einige Wochen Gefängnißstrafe zu erleiden hatten. Nach diesen Auftritten und Abführung der Genannten war die Ruhe wiederhergestellt, und wurde hinfort auch nicht wieder gestört.

Auch in Italien brach eine Revolution aus, und namentlich in Kirchenstaat war die Unruhe so groß, daß sich unser allerheiligster Kirchenfürst PIUS IX. genöthigt sah, seine Residenz Rom zu verlassen und in das Königreich Neapel nach Gaeta zu fliehen. Eine Armee Franzosen, welche auf Befehl des französischen Präsidenten LUIS NAPOLEON kurz darauf in Rom einrückte, stellte die Ordnung wieder her.

Zum Deputirten zur National-Versammlung in Berlin wurde aus hiesiger Gegend der Hr. Bürgermeister Fischer in Warburg gewählt.

In diesem Jahre wurden geboren: 44 Personen. Starben: 25. Wurden getraut: 8 Paare.

1848 (offenbar späterer Eintrag mit neuer Handschrift)
In diesem Jahre war in vielen Dörfern und Städte Revolution, auch hier im Dorfe.

welche die ausriefen „Freiheit, Gleichheit“; auf einmal kamen Soldaten, die 9te Compagnie Infanterie Regiments auf einen Sonntag hier durch und nahmen von hier aus 4 Mann mit Namen: 1. Joseph Paschen, Joseph Salmen, Josph Maas, Johann Proth. Bandten sie 2 und 2 an einander, und mußten so in der Mitte der Compagnie mit nach Paderborn.

Cumpel Wittgenstein (Jude) setzte in dieser Zeit die Heringe u. Brandewein u. Tabak vor die Thür, ein Jeder der ausrief Freiheit, Gleichheit, der faßte zu.

B. Laudage Vorsteher – Spagendarm Polizei*

1853
Gründung der Feuerwehr

Der bislang früheste bekannte Nachweis des organisierten Feuerlöschwesens in Scherfede stammt aus dem Jahr 1853. In der Chronik der Gemeinde Scherfede wird berichtet, dass eine „hiesige Spritzenmannschaft“ am 23. September 1853 bei einem Brand im benachbarten Wrexen Hilfe leistete. Für ihren Einsatz erhielt die Scherfeder Mannschaft von der Fürstlich Waldeckschen Regierung eine Belohnung von zehn Talern. Ein genaues Gründungsjahr der späteren Freiwilligen Feuerwehr Scherfede lässt sich anhand der bislang bekannten Unterlagen jedoch nicht bestimmen.

1857
Abbruch der alten Kirche

1857 wurde die alte Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen. Ihr Baujahr ist unbekannt, aber sie wurde bereits 1231 urkundlich erwähnt.

1861
Neubau der Kirche

1861 wurde das heutige Gotteshaus fertiggestellt. Es prägt bis heute das Ortsbild und ersetzte die alte, baufällige Kirche.

1863
Erste Wollfabrik

1863 entstand an der Diemel die erste Wollfabrik in Scherfede. Sie stellte Reißwolle her und markierte den Beginn einer frühen Industrialisierung im Dorf.

1867
Wildschütz Klostermann

Am 1. Oktober 1867 wurde der Hardehauser Oberförster von Wrede vom berüchtigten Wildschütz Klostermann angeschossen und schwer verletzt. Der Fall machte weit über die Region hinaus Schlagzeilen.

1869
Gründung des Gesangvereins

1869 gründeten Bürger den Gesangverein „Cäcilia“. Damit erhielt Scherfede eine neue kulturelle Stimme, die das Dorfleben bis heute bereichert.

1870
Deutsch-Französischer Krieg

1870/71 fielen im Deutsch-Französischen Krieg zwei Soldaten aus Scherfede. Der Krieg führte zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs –  aus Scherfede wurden 33 junge Männer einberufen – 2 fallen.

1872
Eisenbahn erreicht Scherfede

1872 passierte die erste Lokomotive den Scherfeder Bahnhof. Die Eisenbahn war eine echte Konkurrenz zur Postkutsche: Ein Kilometer Bahnreise kostete 2 Pfennige, während ein Postkutschenkilometer 8 Pfennige kostete. Scherfede entwickelte sich zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt.

1876
Bahnstrecke nach Holzminden

1876 wurde die Bahnstrecke Scherfede–Holzminden eröffnet. Mit dem Ausbau der Verbindungen wuchs auch die Einwohnerzahl, die nun bei 1.894 lag

1880
Erste Apotheke

1880 eröffnete in Scherfede am Markt die erste Apotheke. Damit bekam das Dorf eine feste Einrichtung zur Arzneimittelversorgung.

1885
Bau der Schützenhalle

1885/86 wurde auf dem Bruch eine Schützenhalle erbaut. Sie bot den Schützen eine feste Heimat und wurde schnell zu einem Mittelpunkt des Dorflebens.

1887
Einweihung des Krankenhauses

1887 wurde das Scherfeder Krankenhaus eingeweiht. Es war ein wichtiger Schritt für die medizinische Versorgung in der Region.

1891
Spar- und Darlehnskasse

1891 wurde in Scherfede die Spar- und Darlehnskasse gegründet. Sie ermöglichte es Bürgern, Geld anzulegen und Kredite aufzunehmen – ein früher Vorläufer der heutigen Volksbanken.

1895
Zentrale Wasserversorgung

1895 erhielt Scherfede eine zentrale Wasserversorgung. Damit wurde das Dorf moderner und hygienischer, die Lebensqualität stieg deutlich.

1900
Evangelische Erziehungsanstalt in Hardehausen

Im ehemaligen Kloster Hardehausen richtete man 1900 eine evangelische Erziehungsanstalt für „fürsorgepflichtige Schulentlassene“ ein. So bekam das Kloster nach seiner Auflösung eine neue soziale Aufgabe.

1901
Erweiterung der Schützenhalle

Die Schützenhalle wurde 1901 um einen Tanzsaal ergänzt. Damit festigte sie ihre Rolle als Mittelpunkt des geselligen Dorflebens.

1902
Gründung des Eggegebirgsvereins

Mit der Gründung einer eigenen Abteilung des Eggegebirgsvereins 1902 engagierten sich Scherfeder Bürger auch für Wandern, Natur und Heimatpflege.

1903
Eisenbahner Turn- und Sportverein

Scherfeder Eisenbahner gründeten 1903 den Turn- und Sportverein „Westfalia 03“. Sportvereine wurden zu dieser Zeit vielerorts fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft.

1906
Steinkistengrab ausgegraben

Bei Rimbeck legten Archäologen 1906 ein 13,5 Meter langes Steinkistengrab frei. Es enthielt die Überreste von etwa 200 Menschen und gilt bis heute als bedeutendes Zeugnis der Frühgeschichte.

1908
Neue Schule und erste Glühbirne

Mit der Einweihung der neuen Schule „auf dem Bruch“ erhielt Scherfede 1908 ein modernes Schulgebäude. Im selben Jahr erhellte die erste elektrische Glühbirne das Dorf.

1914
Erster Weltkrieg beginnt

Der Erste Weltkrieg kostete 68 Scherfeder Soldaten das Leben, vier blieben vermisst. Bei einer Einwohnerzahl von rund 2.000 bedeutete das, dass etwa jeder 30. Bewohner betroffen war.

1919
Pastor Gustav Lehmen

Nach dem Tod von Josef Stratmann im Jahr 1918 übernahm Pastor Gustav Lehmen die Pfarrei in Scherfede. Stratmann hatte die Gemeinde seit 1889 betreut.

Tanzschule Ricken eröffnet

Mit der Gründung der Tanzschule Ricken bekam Scherfede 1919 einen neuen kulturellen Treffpunkt. Tanz und Musik spielten in dieser Zeit eine wichtige Rolle im Dorfleben.

1926
Busverbindung nach Paderborn

1926 wurde eine regelmäßige Buslinie von Scherfede nach Paderborn eingerichtet. Das erleichterte den Alltag vieler Bewohner und öffnete das Dorf stärker zur Region.

1927
Kindergarten und neuer Konvent

1927 richteten die Schwestern des Krankenhauses einen Kindergarten ein. Im selben Jahr kehrten Zisterziensermönche zurück und gründeten einen Konvent im Kloster Hardehausen neu.

1938
Reichspogromnacht in Scherfede

Während der Pogromnacht 1938 wurden auch in Scherfede jüdische Einwohner angegriffen: Fensterscheiben gingen zu Bruch, das Geschäft der Familie Vorreuter wurde verwüstet.

1944
Kloster Hardehausen als NAPOLA

1944 wandelten die Nationalsozialisten das Kloster Hardehausen in eine NAPOLA, eine „Nationalpolitische Erziehungsanstalt“, um. Dort wurden Jungen im Sinne der NS-Ideologie erzogen.

1945
Luftangriffe auf Scherfede

Am 22. Februar 1945 war der Scherfeder Bahnhof Ziel eines schweren Bombenangriffs. 78 Sprengbomben zerstörten Gleise, Gebäude und das Stellwerk, drei Menschen starben.

Erneute Zerstörungen

Nur wenige Wochen später legten weitere Bomben fast die gesamten Gleisanlagen lahm. Auch Wohnhäuser wurden schwer getroffen.

Kampfhandlungen an Ostern

An Ostern 1945 kam es zu erbitterten Kämpfen um Scherfede. SS-Truppen verteidigten das Dorf, amerikanische Soldaten griffen an. 40 SS-Soldaten und 4 Scherfeder Einwohner kamen ums Leben, viele Häuser wurden zerstört.

Bürgermeisterwechsel nach Kriegsende

Nach den Kämpfen um Scherfede setzten die amerikanischen Besatzungstruppen den jüdischen Fabrikanten Roßkam als Bürgermeister ein. Er folgte damit auf Franz Mehring, der das Amt zuvor innehatte.

Jugendhaus Hardehausen

Noch im Sommer 1945 begann im Kloster Hardehausen die Arbeit eines Jugendhauses. Junge Menschen fanden hier erstmals nach dem Krieg wieder Gemeinschaft und Orientierung.

1949
Landvolkshochschule Hardehausen

1949 entstand im Kloster Hardehausen die Landvolkshochschule (LVH). Sie wurde zu einer wichtigen Bildungseinrichtung für die ganze Region.

1961
2.728 Einwohner

1961 lebten 2.728 Menschen in Scherfede. Das zeigt das deutliche Wachstum des Dorfes in der Nachkriegszeit.

1965
Scherfeder Tanzorchester

Das Scherfeder Tanzorchester wurde gegründet und erspielte sich in den folgenden Jahren einen guten Ruf.

1972
Bau der Waldhütte

1972 – Bau der Scherfeder Waldhütte
Im heutigen Pölinxer Grund entstand 1972 die Scherfeder Waldhütte. Sie wurde bald zu einem beliebten Treffpunkt für Feiern und das Vereinsleben. In älteren Scherfeder Aufzeichnungen wird der Standort auch als „Päulingser Grund“ bzw. „Pöhlingser Grund“ bezeichnet. Die historische Herkunft und genaue Entwicklung des Flurnamens wird derzeit für die Dorfchronik noch untersucht.

1975
Eingemeindung nach Warburg

Am 1. Januar 1975 verlor Scherfede seine Selbstständigkeit und wurde Stadtteil von Warburg. Damit endete die Eigenständigkeit des Ortes nach Jahrhunderten.

1978
Bau der Mehrzweckhalle

Zwischen 1978 und 1980 entstand auf dem Bruch die neue Mehrzweckhalle. Sie wurde zum zentralen Veranstaltungsort im Dorf.

1980
Einweihung der Mehrzweckhalle

Am 1. August 1980 wurde die neue Mehrzweckhalle feierlich eingeweiht. Der Turm der alten Schützenhalle blieb als Erinnerung erhalten.

1983
Krankenhaus und Bahnhof abgerissen

1983 wurden das alte Krankenhaus und der Bahnhof abgerissen. An Stelle des Krankenhauses, das zuletzt als Altersheim diente, begann man den Bau eines neuen Altenheimes.

1986
Kriegerdenkmal wird neu errichtet

Das 1964 abgebaute Kriegerdenkmal „St. Michael“ wird 1986 „Auf der Ricke“ neu errichtet.

1991
Erstes Scherfeder Dorffest

1991 findet das erste Scherfeder Dorffest statt, mit Einweihung der Sanierung des Mönchhofs und des Spielplatzes am Bach.

Gründung der Partnerschaft zwischen der Gemeinde Scherfede und der Gemeinde Walchsee Tirol in Österreich.

 

1993
Neue Hausfahnen

Die neuen grün-weißen Hausfahnen mit dem Scherfeder Wappen schmücken erstmalig zum Schützenfest 1993 den Ort.

1995
Gründung KiS (Kultur in Scherfede e.V.)

Der Verein Kultur in Scherfede existiert seit 1995 mit dem Ziel, Kulturveranstaltungen, die es sonst nur in größeren Städten gibt, auch auf dem Land zu realisieren.

2000
1175-jähriges Bestehen des Dorfes

Scherfede feiert in 2000 sein 1175-jähriges Bestehen mit Scherfeder Abend, Platzkonzerten, Chronikausstellung, Tiroler Abend, Festhochamt und historischem Festzug.

2004
Gründung des Waldinformationszentrums

Das Waldinformationszentrum Hammerhof wird 2004 gegründet. Der Hammerhof ist eine Umweltbildungseinrichtung des Regionalforstamts Hochstift von Wald und Holz NRW und möchte durch vielfältige Veranstaltungsangebote, Ausstellungen  etc. Menschen für Natur, Wald und nachhaltige Forstwirtschaft begeistern.

2005
2297 Einwohner

2005 ist die Einwohnerzahl auf 2297 gesunken.

2007
Orkan Kyrill fegt durch das Warburger Land

Orkan Kyrill richtet im Warburger Land am 18. und 19.01.2007 schwere Schäden an. Zwischen 20.000 und 30.000 Festmeter Holz lagen vom Sturm gefällt wie ein riesiges Mikadospiel auf dem Boden, ein Schaden von ca 1,5 Millionen Euro.

2011
275 Jahre Heimatschutzverein Scherfede

2011 feiert der Heimatschutzverein an vier Tagen sein 275-jähriges Bestehen.

2012
Scherfeder Ortsschilder erhalten den Zusatz „Hansestadt“

Im Mittelalter gehörte Warburg zur westfälischen Hanse. Seit dem 19.03.2012 darf Warburg den offiziellen Zusatz Hansestadt führen. Die Scherfeder Ortsschilder werden 2012 mit dem neuen Zusatz versehen.

2014
Bahnunglück in Scherfede

Bei einem Unglück prallt 2014 am Bahnübergang bei der Firma Lödige ein 200 Meter langer Zug auf einen Tieflader, der Autos transportierte.

2017
2723 Einwohner

Nach Stadtangabe hat Scherfede 2017 nur noch 2723 Einwohner.

2018
Orkantief Friederike

Orkantief Friederike verwüstet im Januar 2018 weite Teile der Wälder.

2022
Gründung der Zukunftswerkstatt Scherfede e.V.

Anfang 2022 wurde der Verein „Zukunftswerkstatt Scherfede e.V.“ gegründet. Er entstand aus verschiedenen Initiativgruppen und bündelt seitdem das Engagement für die Entwicklung des Dorfes. Die Zukunftswerkstatt versteht sich als Forum, das ein breites Engagement für Scherfede ermöglicht, unterstützt und begleitet. Sie will zugleich selbst Initiativen anstoßen, um gemeinwohlorientierte Projekte im Dorf auf den Weg zu bringen.

2024
Eröffnung des Dorftreffs Scherfede

Nach dem Umbau der ehemaligen Verwaltungsnebenstelle wurde das Gebäude in der Briloner Straße 30 als Dorftreff Scherfede eröffnet. Seitdem stehen dort die Räume des Bürgerservice, der Bücherei und der Zukunftswerkstatt Scherfede e.V. zur Verfügung.

Der Dorftreff ist seither Mittelpunkt der Aktivitäten der Zukunftswerkstatt und entwickelt sich zu einem nicht-kommerziellen Treffpunkt für alle Generationen und Nationalitäten. Er soll das Miteinander im Ort fördern und bietet Raum für Projekte, Veranstaltungen und Begegnung.

Parallel wurde der Bürgerservice in Scherfede neu eingerichtet, mit erweiterten Öffnungszeiten, und auch die Bücherei ist hier untergebracht. Damit wurde die Briloner Straße 30 zu einem zentralen Ort für Verwaltung, Kultur und Ehrenamt im Dorf.

2025
Scherfede ist digitales Dorf

Am 14. Oktober 2025 ging die DorfPage Scherfede offiziell online. Damit wurde Scherfede Teil des Projekts „Digitale Dörfer“. Parallel steht mit dem Dorffunk eine App zur Verfügung, über die Bürgerinnen und Bürger Informationen austauschen, Gesuche einstellen oder Hilfe anbieten können.

Mit der DorfPage erhalten Vereine, Initiativen und Einrichtungen erstmals eine gemeinsame digitale Plattform, um sich zu präsentieren, Neuigkeiten zu teilen und Veranstaltungen zu veröffentlichen.

Dieser Schritt markiert den Beginn einer neuen Phase der Dorfentwicklung: digitale Werkzeuge, die das Miteinander stärken und die Organisation des Dorflebens erleichtern.

Weitere Informationen zum Projekt: www.digitale-doerfer.de

 

2026
Kloster wieder in kirchlicher Hand

Am Osterfest 1953 übernahm das Erzbistum Paderborn das Kloster Hardehausen erneut. Damit kehrte der Ort in kirchlichen Besitz zurück.

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